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Pilotstudiengang 'Zeitgenssischer Tanz, Kontext, Choreographie' (BA)


Unter dem Dach des neu gegrndeten Hochschulbergreifenden Zentrums Tanz Berlin und im Rahmen des Pilotprojekts Tanzplan Berlin wird zum Sommersemester 2007 der Bachelor-Studiengang Zeitgenssischer Tanz, Kontext, Choreographie angeboten.

In enger Verzahnung mit Akteuren aus dem vitalen knstlerischen Umfeld Berlins und unter Beteili-gung internationaler Gastdozenten wird Studierenden die Mglichkeit geboten, sich kinetisch und konzeptionell umfassend auszubilden und auf eine knstlerisch-kreative Ttigkeit im Bereich des zeitgenssischen Tanzes vorzubereiten sowie an der Entwicklung neuer Formen des Lernens und der Vermittlung teilzunehmen.

Einleitung
Der dreijhrige Pilotstudiengang ist als knstlerische Ausbildung konzipiert und widmet sich Zeitge-nssischem Tanz/Choreographie in ihren vielfltigen Themenstellungen, Techniken, Praktiken, Produktionsbedingungen und Kontexten. In enger Verzahnung mit Akteuren aus dem vitalen knst-lerischen Umfeld Berlins und unter Beteiligung internationaler Gastdozenten wird Studierenden die Mglichkeit geboten, sich kinetisch und konzeptionell umfassend auszubilden und auf eine knstle-risch-kreative Ttigkeit im Bereich des zeitgenssischen Tanzes vorzubereiten sowie an der Ent-wicklung neuer Formen des Lernens und der Vermittlung teilzunehmen.
Studierende sollen in die Lage versetzt werden, mit den Gegebenheiten des Krpers knstlerische Aussagen zu treffen und kritische Diskurse zu fhren.

Das Projekt geht von der Feststellung aus, dass der zeitgenssische Tanz sich zu einer vielseitigen Kunstform mit sehr unterschiedlichen sthetischen und thematischen Anstzen entwickelt hat. Ak-tuelle Kunstproduktion inszeniert unerwartete Fragen und Sichtweisen auf Krper und Bewegung. Zeitgenssischer Tanz heute beschrnkt sich nicht auf das (Er)Finden und Choreographieren neu-er Bewegungsformen, sondern reflektiert Krper und Bewegung in den verschiedenen sozialen und kulturellen Kontexten, denkt zugleich ber diese Arbeit nach und integriert das Nachdenken in die Inszenierung.

Die Leitidee des Pilotstudiengangs besteht in der Entwicklung eines neuen Ausbildungsformats im Bereich Zeitgenssischer Tanz und einem Neudenken der hierzu notwendigen pdagogischen und inhaltlichen Parameter. Die Studierenden erwerben Wissen und Werkzeuge, knstlerische Prozes-se im Bereich des Zeitgenssischen Tanzes zu gestalten und ihre Projekte und Vorhaben umzu-setzen.

Der Studiengang will Kenntnisse und Erfahrungen ber unterschiedliche Bewegungsprinzipien ver-mitteln. Studierende erhalten Arbeitswerkzeuge und Einblicke in theoretische Anstze; sie sind aufgefordert, ihre je eigene kreative und knstlerische Identitt herauszubilden. Es obliegt den Stu-dierenden selbst, in diesem Lernprozess ihre Richtung zu finden und sich im Bereich des zeitge-nssischen Tanzes und der zeitgenssischen Kultur ihren spezifischen Ort zu suchen. Lehrende und Mentoren untersttzen sie dabei.

Lernziele des Studiengangs
Im Rahmen der gesondert dargestellten Studienmodule und in der knstlerischen Projektarbeit sollen die Studierenden die gesellschaftlichen und politischen Implikationen eines knstlerischen Umgangs mit dem Krper auffassen und ihn sthetisch wie kunstimmanent, aber auch in seiner ethischen und philosophischen Dimension verstehen lernen.

Auf der Grundlage eines breiten und in Teilen selbst organisierten, im Rahmen der Mglichkeiten auch Fcher-, Disziplinen- und Fakultten bergreifenden Studiums erwerben die Studierenden die Fhigkeit, herkmmliche Grenzen zwischen Disziplinen, Stilen und Methoden, aber auch zwischen Genres, Gattungen und Definitionen bewegungsbasierter Darstellungs- und Kommunikationsfor-men zu berschreiten und knstlerisch-sthetisch wie wissenspraktisch innovativ zu arbeiten sowie die hierzu erforderlichen reflexiven und kreativen Fhigkeiten zu entwickeln und zu festigen.

Das Studienziel besteht daher weniger im systematischen Erwerb von Fach- oder Technikwissen bzw. formaler Virtuositt, sondern darin, den Prozess der Herstellung von Wissen und der Formen, in denen es zugnglich wird, zu verstehen und mit ihm kreativ und kritisch umzugehen und aus diesem Wissen heraus eine eigene Vorstellung vom Berufsfeld zu entwickeln.

In bestehenden Ausbildungsmodellen sind oft erhebliche Defizite zu konstatieren bezglich der Fhigkeit, die eigene Arbeit in greren knstlerischen, gesellschaftlichen und gattungshistorischen Zusammenhngen zu reflektieren und zu verorten. Die begrenzte Wirkung und unzureichende f-fentliche Wahrnehmung des Tanzes als Kunst und Wissensquelle der Gesellschaft hat hier eine ihrer Ursachen.

Folgende Lernziele werden insbesondere verfolgt:

Absolventen des Studiengangs sollen sowohl berblickswissen wie auch vertiefende Kenntnis-se im Bereich der knstlerischen Gestaltung von kinetischem, choreographischem und theore-tischem Wissen erwerben.
Sie sollen sich kritisch mit den krperlichen Grundlagen und Prgungen von Tanz, Bewegung und Wissen auseinandersetzen.
Studierende sind in der Lage, Bewegungsschulen, -stile und -techniken zu unterscheiden sowie die entsprechenden Trainingsmethoden zu verstehen und anzuwenden.
Studierende lernen Schlsselwerke der neueren Tanzgeschichte auch aus eigener krperlicher Erfahrung kennen.
Studierende erlernen Grundtechniken im Umgang mit Archiven und die Grundlagen wissen-schaftlichen Arbeitens.
Studierende erkennen die Komplexitt der Wissensgewinnung und der Wissensvermittlung und lernen, kreativ und formbewusst mit vorgegebenen oder selbst gewhlten Themen zu arbeiten und sie einer knstlerisch-performativen Gestaltung zuzufhren.
Studierende sind in der Lage, experimentelle Unterrichtsformen zu entwickeln, welche dem knstlerischen Prozess entspringen und den Bedrfnissen der knstlerischen Arbeit gerecht werden.
Studierende knnen Projektideen formulieren und knstlerische Vorhaben textlich ausarbeiten und sind in der Lage, die Struktur- und Produktionsbedingungen in ihre knstlerische Arbeit zu integrieren.
Studierende erkennen die fr die eigene Weiterentwicklung notwendigen thematischen Berei-che und institutionellen / strukturellen Erfordernisse.
Der Studiengang frdert die individuellen kreativen Prozesse der Studenten, hin zur Ausarbei-tung einer eigenen Vorstellung vom Berufsfeld.

Grundberlegungen der Curriculums-Entwicklung
Bei der Entwicklung des Curriculums fr den Studiengang BA ZEITGENSSISCHER TANZ, KONTEXT, CHOREOGRAPHIE und bei der konkreten Ausgestaltung der Themenbereiche / Module waren folgen-de berlegungen mageblich:

Wissen und Kunst sind im 21. Jahrhundert keine stabilen, autoritativen Kategorien mehr, son-dern werden selbst zum Gegenstand kritischer Praxis. Der Studiengang zielt auf die Entwick-lung neuartiger Fragestellungen und Formen des Umgangs mit Wissen und dessen krperli-chen Dispositionen.
Die bliche Logik getrennter Disziplinen, separater Wissensgebiete, linearen Aufbaus wurde, wo immer mglich, vermieden.
Betont wird das Modell einer Offenen Universitt, welches es den Studierenden erlaubt, sich in den Gesamtzusammenhang akademischer Wissensproduktion zu integrieren. Besonders im Vergleich zu anderen Tanzausbildungen ist dies ein einzigartiger Vorzug des Berliner Studien-gangs. (Anm: Die Durchfhrbarkeit dieses Modells wird zur Zeit mit den entsprechenden Hoch-schulabteilungen berprft)
Das Curriculum legt groen Wert darauf, Selbstbestimmung zu frdern: Von den Studierenden wird erwartet, dass sie zu einem groen Teil und besonders gegen Ende ihres Studiums ihre individuellen Stundenplne im Einklang mit ihren Interessen und Bedrfnissen organisieren.
In den gemeinsamen Studienangeboten wie etwa KRPERREALITTEN: PHYSISCHES LERNEN, TANZEN soll eine Arbeitsatmosphre des Dialogs und der Wechselseitigkeit zwischen Lehren-den und Lernenden hergestellt werden.
Das Konzept privilegiert ganzheitliches und thematisch zusammenhngendes Arbeiten.
Der Akt des Lernens selbst wird als Teil der knstlerischen Entwicklung aufgefasst.

Pdagogie exprimentale:
The enterprise is unfamiliar and difficult for all ! But it will be a symbol of that which we try to realise in Berlin. Students and artist-professors participate of the same research-processes that will open their minds towards a new understanding of what the space of knowledge might be.
We propose classes that are not based on preestablished disciplines. ()
A school reconsidered and directed in this way will also radically transform the artistic or pedagogical contents. The effects of this mediation will have to be studied as equally significant as their potential to stipulate artistic action. (Pro-jektskizze cole par correspondance)

- Qualifikations- und Auswahlprofil
Der Studiengang richtet sich an krperlich und/oder tnzerisch geschulte Interessenten, aber auch an kultur- und medienwissenschaftlich Orientierte, an Performer und Autoren in unterschiedlichen Medien.
Mgliche Berufsbilder sind breit gefchert und umfassen neben den eigentlichen Bhnenberufen wie Tnzer, Performanceknstler, Choreograph auch eine Ttigkeit oder eine weitere Qualifikation in den Feldern Tanz- und Kulturpdagogik, Kulturmanagement, Design, Medien- und Wissensarchi-tektur, Archiv und Dokumentation, Produktion und Kommunikation, ffentlichkeitsarbeit, theater-, tanz- und kulturwissenschaftliche Lehre und Forschung sowie verwandte Felder.
Die Themenbereiche/Module des Curriculums zielen auf orientierende methodische Kompetenzen und die Neudefinition mglicher Wissenskonzepte. Sie lassen viel Raum fr Vernderung und kon-tinuierliche Entwicklung in Reaktion auf die individuellen und kollektiven Erfahrungen im Verlauf des Studiums, in Reaktion auf neue knstlerische und diskursive Tendenzen und Perspektiven sowie hinsichtlich der Kompatibilitt mit weiter qualifizierenden und spezialisierenden Master-Studiengngen.

Von den Studierenden wird daher ein hohes Ma an Eigeninitiative, an intellektueller, konzeptionel-ler und krperlicher Neugier sowie die Bereitschaft zur selbstndigen Mitgestaltung von Studienver-lauf und Studieninhalt erwartet.

- Themenbereiche / Module
Die Themenbereiche/Module des Studiengangs sind:

1. Krperrealitten: Physisches Lernen, Tanzen
2. Tanzbildung
3. Wissensdramaturgien und Kritisches Handeln
4. Experimentelle Pdagogik
5. Bedingungen des Knstlerischen
6. Offene Universitt
7. Eigene Projekte, Dossier
(ausfhrliche Modulbeschreibung siehe unten)

- Unterrichtsformen
Der Studiengang versteht sich selbst als Teil der knstlerischen und wissensknstlerischen Frage-stellungen, die er vermitteln und ermglichen will. Die Unterrichtsformen knnen demnach sehr unterschiedlich sein. Gleichwohl werden Vorlesungen, z.T. als Ringvorlesung oder Konferenz, fer-ner bung, Workshop und Labor sowie Seminar angeboten.
Zustzliche Unterrichts- und Lernelemente des Studiengangs knnen sein:
Feldforschung, site specific work, Interviews, outside study
Gasthrerschaften
Praktika
Assistenzen, Hospitanzen
Produktionsphasen eigener Arbeiten

ber die Bewertung und Anrechnung solcher Studienleistungen extra muros befindet das Kollegium bzw. der Prfungsausschuss falls erforderlich im Einzelfall.

Der Unterricht wird von Mitgliedern des Lehrkrpers, aber auch von Gastdozenten durchgefhrt. Die enge Kooperation mit TanzRaumBerlin ermglicht auerdem, dass Unterricht/ Workshops zu spezifischen Themen (z.B. ein intensiveres Training in einzelnen Tanz- und Bewegungstechniken) auch bei assoziierten Einrichtungen wahrgenommen werden knnen; weiterhin sind gemeinsame Lehrveranstaltungen mit dem Institut fr Theaterwissenschaften an der FU Berlin geplant.

- Bewertung und Abschlussprfung
Die Bewertung der Studienleistungen und die Testierung des Lern- und Studienerfolges werden fortlaufend vorgenommen.
Die Studierenden sind zudem aufgefordert, ein Dossier zu erstellen, in dem sie kontinuierlich schriftliche Dokumente ihres Studienverlaufes versammeln. Diese schriftlichen Arbeiten sollen in mindestens einem Fall auch ein vorgegebenes Thema behandeln.
Die Abschlussprfung umfasst die modulare Bewertung des Studienverlaufes, die Prsentation von mindestens zwei performativen / dramaturgischen Arbeiten sowie das schriftliche Dossier (siehe Modul 7), welches mindestens eine vertiefende Arbeit zu einem vorgegeben Thema enthalten muss.

- Unterrichtssprache
Der Unterricht findet auf Englisch und/oder Deutsch statt. Von den Studierenden wird erwartet, dass sie ber Grundkenntnisse der englischen Sprache (ausreichend um englischsprachigem Un-terricht zu folgen) verfgen; Auslnderinnen und Auslnder aus dem nichtdeutschen Sprachraum mssen zustzlich ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache nachweisen (siehe auch Zu-lassungsantrag und Info zur Bewerbung). Die erforderlichen Sprachkenntnisse werden in der Zu-gangsprfung festgestellt. In Ausnahmefllen besteht auch die Mglichkeit, noch im Verlauf des Studiums Sprachkenntnisse zu erwerben.
Andere Sprachen knnen nach Abstimmung mit den Dozenten und dem Kollegium insbesondere fr die Abfassung schriftlicher Arbeiten zugelassen werden.

Schlussbemerkung
Im Jahr 1929 schrieb die bis 1933 in Berlin ttige Tnzerin und Pdagogin Ruth Allerhand:

Die neuen Ziele des Tanzes sind hinreichend bekannt, die Wege mannigfaltig. Chaos ist fr den Auenseiter der ganze Begriff Tanz geworden, und vielleicht auch deshalb treibt es ihn dort hinein. Es ist nicht gut, gewaltsam Ruhe in die Bewegung zu bringen. (...) Die Schule mu sich ber die Verantwortung in diesem Chaos bewut sein; wie leicht kann sie durch bermacht fhrend im schlechten Sinne werden, beherrschend, abttend, und drfte doch nur ganz untergeordnet anregend, helfend, ordnend und immer nur gebend sein. (...) es kommt nicht auf die Schule oder den Fhrer an, sondern nur auf den Schler. Fr ihn existiert die Schule, nicht umgekehrt. (...) Es kann deshalb auch kein Falsch und Richtig bei uns geben, kein Vormachen, kein Einstudieren. Es gibt ja nichts zum Erlernen.

Einer solchen Weite im knstlerischen Denken wie in der pdagogischen Ausrichtung fhlt sich der Studiengang Zeitgenssischer Tanz, Kontext, Choreographie verpflichtet. Er knpft damit an eine abgebrochene Tradition an und richtet sie im Kraftfeld des Zeitgenssischen dezidiert neu aus.


Vorgesehene Module

Der Bachelor-Studiengang Zeitgenssischer Tanz, Kontext, Choreographie befindet sich im Auf-bau; die Module sind Entwrfe; Angaben zum Verlauf, der zeitlichen Gewichtung inkl. Creditpoints (ECTS) folgen im Februar/Mrz.

MODUL 1
KRPERREALITTEN: PHYSISCHES LERNEN, TANZEN
In dem Modul geht es um die Entwicklung eines umfassenden Verstndnisses des eigenen indivi-duellen Krpers, um die Vermittlung fundierten Wissens ber den menschlichen Krper allgemein sowie um die Auseinandersetzung mit Bewegung und einem breiten Spektrum von Tanztechniken mit Blick auf ihre historischen und sthetischen Hintergrnde. Ziel ist es, den Krper zu trainieren und gleichzeitig offen und flexibel mit Bewegung umzugehen. In Research-Prozessen und durch individuelles Probieren wird der bewusste Umgang mit Raum, Zeit, kompositorischen und choreografischen Strukturen sowie ein hohes Ma an krperlichem Bewusstsein erworben.
Mit dem Modul KRPERREALITTEN: PHYSISCHES LERNEN, TANZEN soll ein Unterrichtsfor-mat geschaffen werden, in dem die strikte Trennung der Disziplinen aufgehoben wird, um Studie-rende stattdessen in die Lage zu versetzen, Kreativitt, Recherche, Meinungsbildung und individu-elle Bewegungsfindung nicht als von Technik als krperlichem Handwerk abgelste Praktiken zu begreifen, sondern von vornherein Verbindungen zu sehen und herzustellen.
Das Modul wird in unterschiedlicher Form in allen sechs Semestern Studienbestandteil sein.
Inhaltliche Beschreibung
Das Modul macht Studierende anhand zeitgenssischer Trainingsformen mit den Grundlagen ver-schiedener Krper- und Bewegungstechniken vertraut. Es vermittelt vertiefte Einblicke in Methoden und Anstze der Krperbewusstheitsarbeit (Body Awareness; Alignment; angewandte Anatomie: Ideokinesis, Skinner Release Technique, BMC, Susan Klein Technique, Alexander-Technik, Fel-denkrais, Yoga, Pilates ... ) und schult die Wahrnehmung und analytische Betrachtungsweise von Bewegungssystemen und -techniken. Es trainiert die Unterscheidungsfhigkeit von Bewegungssti-len und schulen sowie ihre historischen und sthetischen Implikationen. Es befasst sich mit Bewegungserfindung und behandelt kompositorische Anwendungen sowie Grundlagen der Impro-visation und Choreographie (z. B. Contact Improvisation, Laban-Bartenieff, View points-Methode/Mary Overlie/Ann Bogart, Composition in real time, Improvisation Technologies/Forsythe).


MODUL 2
TANZBILDUNG
Der zeitgenssische Tanz hat sich zu einer vielseitigen Kunstform mit sehr unterschiedlichen s-thetischen und thematischen Anstzen entwickelt. Was unter der Bezeichnung Tanz zusammenge-fasst wird, bedeutet heute vor allem eine produktive und kreative Auseinandersetzung mit dem le-bendigen menschlichen Krper und seiner Rolle in den Gesellschaften der Gegenwart. (PROJEKTSKIZZE HZT 2005)
Doch wo beginnt, wo endet der Tanz? Verfgt er ber ein Werkregister, und welche Titel wren darin aufzufinden? Welche Form der Gegenwart steht welcher Vergangenheit und welchem Zu-kunftserwarten gegenber? Es ist die Vielschichtigkeit der tnzerischen Spurenbildung ebenso zu untersuchen wie der schwierige Begriff einer Geschichte von Bewegung.

Inhaltliche Beschreibung
Das Modul vermittelt Einblick in die Entstehung eines zeitgenssischen Repertoires und orientiert ber die geschichtliche Entwicklung des Fachs. Leitlinie der Studiengestaltung im Rahmen des Moduls ist die Auseinandersetzung mit Tanzauffhrungen, mit der Frage nach kanonischen Wer-ken und den Bedingungen, unter denen sie entstanden sind bzw. unter denen sie heute wahrge-nommen und behandelt werden knnen. Auch die konkrete Recherche in Archiven und anderen Sammlungsinstitutionen soll den Gegenstand in seiner Breite vermitteln. Ferner ist die Auseinan-dersetzung mit Transmedialitt und bertragungsformen der Tanzspur (Notation, Video, Film, Be-schreibung, Analyse) Bestandteil des Moduls.


MODUL 3
WISSENSDRAMATURGIEN UND KRITISCHES HANDELN
Alle Tanztechniken und choreografischen sthetiken haben, wie jede knstlerische Praxis, ihre sozial- und kulturhistorischen Hintergrnde. Die Praxis des zeitgenssischen Tanzes ist von gesell-schaftlichen und philosophischen Diskursen und Fragestellungen durchdrungen und versteht sich zudem als Recherche mit knstlerischen Mitteln. Im Gegenzug wird theoretische Arbeit immer mehr als eigene Praxisform aufgefasst. (PROJEKTSKIZZE HZT 2005)
Wenn Theorie nicht mehr ausschlielich intellektuell definiert und das Physische zum Werkzeug der Erkenntnis wird: Nach welchen Magaben lsst sich gewonnenes, erworbenes oder bezweifel-tes Wissen vermitteln und inszenieren? Wie sind die Inhalte zu ordnen, was ist verstehbar, was verstndlich, und was bleibt immer undeutlich? Worauf kann sich die Gestaltung von Inhalten, Themen, Anliegen, Gegenstandsbereichen sttzen? Welche Strategien gibt es, und wo endet das Strategische des Wissens, um zur Gewissheit zu werden? Kunst und Wissenschaft gehen neue Verbindungen ein. Beide Bereiche haben ihre eigenen Verfahren und ihr eigenes schpferisches Potential. Zeitgenssischer Tanz und Choreographie sind zentrale Bestandteile dieses Prozesses.

Inhaltliche Beschreibung
Das Modul beschftigt sich mit Arten und Weisen, wie Wissensbestnde blicherweise definiert, vermittelt und transformiert werden, und problematisiert damit die Frage des Wissens und der Strukturen, nach denen es als solches anerkannt und wiedergegeben wird. Es vermittelt Techniken, sich die erforderlichen Informationen zu erschlieen und fr die knstlerische Arbeit nutzbar zu machen. Es befasst sich mit Techniken des Schreibens (z. B. akademisch, kreativ, journalistisch), der Prsentation und Vermittlung (z. B. Lecture-Demonstration, thematische Installation, Poster- Session), der systematischen Recherche (z. B. Bibliotheken, Online-Kataloge, archivarische Find-mittel) und der wissenschaftlichen Arbeit (z. B. Zitieren, Arbeit mit Quellen).


MODUL 4
EXPERIMENTELLE PDAGOGIK
Why should we think that the student cannot learn a thing or start movement without
direct contact to his teacher?
Why should the dance teacher always have his hands on the student?
Why should dance be possible only in the state of physical presence?
Rather than passing on a pre-established body of pedagogical knowledge we will try to learn
from the experience itself. The process of learning therefore is based on that which the expe
riment enables as much as on that which it impedes.
(KONZEPTPAPIER COLE PAR CORRESPONDANCE 2006)
An welchen Orten und in welchen Zusammenhngen und durch welche Begegnungen lernen wir? Wodurch werden wir angestoen, Dinge physisch wie mental zu artikulieren? Wie lsst sich daraus ein Rahmen formen, so dass auch andere daran teilhaben knnen?
Es geht um die aktive Mitgestaltung der Studierenden an Lernprozessen. Darum, ihre Fragen und ihre Themen zu behandeln, Bedingungen und Rahmen zu schaffen, in denen sich diese bearbei-ten/beantworten lassen.
Das Modul kann in sich als knstlerisches Projekt begriffen werden, in dem die Frage des Lernens thematisiert, erforscht und entwickelt sowie die eigene Praxis hinterfragt und immer wieder neu definiert werden kann.

Inhaltliche Beschreibung
Das Modul thematisiert die Frage des Lernens und entwickelt experimentelle Unterrichtsformen, welche dem knstlerischen Prozess entspringen, ihn anstoen und die eigene Praxis hinterfragen lassen. Lehren / Lernen / Kommunikation werden in Projekten und verschiedenen Kontexten auch mit anderen Beteiligten erprobt und reflektiert. Das Modul versucht, andere Formen und Rahmen-bedingungen der Vermittlung zu finden und zu erproben. Studenten und Knstler/Professoren sind aufgefordert, an einem kontinuierlichen Forschungsprozess aktiv teilzunehmen.


MODUL 5
BEDINGUNGEN DES KNSTLERISCHEN
In einer Zeit, in der Tanzkunst in vielfltigen neuen Strukturen und gesellschaftlichen Rumen stattfindet, ist die Frage, ob eine zeitgenssische Ausbildung auf institutionalisierte Kultureinrichtun-gen oder eine so genannte freie Szene abheben soll, nicht mehr zeitgem. Knstler selbst schaf-fen sich bestndig neue Rume, neue Mrkte, und oft sind sie es, die etablierte Kulturinstitutionen miteinander oder mit etwas Anderem vernetzen.
(STATEMENT DAS ZEITGENSSISCHE IST IN BEWEGUNG, 2005)

Lngst schon sind die Fhigkeiten des Knstlers von denen des Managers, des Produzenten, des Kurators, des Kritikers nicht mehr klar zu trennen. Die Lebenswelt knstlerischer Ttigkeit erfordert ein Neudenken bestehender Grenzen. Kunst kann ohne strukturelles, verwaltungstechnisches, makrokonomisches und finanzrelevantes Wissen heute nicht mehr zustande kommen. Vielleicht erhlt sie sogar ihre wesentlichen Impulse aus den Bedingungen, von denen sie sich eigentlich unterscheiden mchte.

Inhaltliche Beschreibung
Das Modul vermittelt Kenntnisse und Erfahrungen in der freiberuflichen knstlerischen Praxis wie etwa Antragswesen, Projektbeschreibung, Management, Bhnentechnik oder Vertragsrecht. Es fhrt in die strukturellen, rechtlichen und finanztechnischen Grundlagen der knstlerischen Arbeits-weise ein (z. B. Abrechnung, Kommunikation und ffentlichkeitsarbeit, Festivalplanung). Es stellt alternative Projekte und Arbeitsmethoden vor, die diese konomische und soziale Bedingtheit von Arbeitsprozessen reflektiert und gibt Aufschluss darber, wie gesellschaftliche Strukturen die sthe-tik beeinflussen.


MODUL 6
OFFENE UNIVERSITT
Tanz kann berall stattfinden.
Die Universitt beginnt im Kopf.
Das Training kann jederzeit beginnen, ob tagsber oder in der Nacht!
(KONZEPTPAPIER COLE PAR CORRESPONDANCE 2006)
Niemand wei, welche Fhigkeiten, Kompetenzen und Interessensgebiete wirklich erforderlich sind, um krperliche Darstellungsweisen fr lebensweltliche Anliegen zu finden. Studierende mssen ausschwrmen und sich in den akademischen Biotopen und Territorien die Quellen suchen, an denen sie sich bevorraten wollen.

Inhaltliche Beschreibung
Das Modul dient der eigenen Spezialisierung sowie der Entwicklung eines greren knstlerischen Vorhabens. Hierzu werden je nach Art und Interesse des/der Studierenden Praktika, Hospitanzen und der Fakultten bergreifende Besuch von geeigneten Lehrveranstaltungen an den Berliner Hochschulen ermglicht.


MODUL 7
EIGENE PROJEKTE, DOSSIER
Studenten und Knstler-Dozenten beteiligen sich gemeinsam an Forschungsprozessen, in
deren Verlauf sich die Vorstellungen davon ndern, was der Raum des Wissens womglich
sein kann. (KONZEPTPAPIER COLE PAR CORRESPONDANCE 2006)
Beurteilung und Bewertung mssen immer in zwei Richtungen erfolgen: Die Fhigkeit von Studen-ten korrespondiert mit der Fhigkeit von Lehrern, die Offenheit des vorgeschlagenen Wissenskon-zeptes bedarf der Bereitschaft, die eigenen Rollen und die eigenen Gewissheiten zu hinterfragen. In diesem Prozess steht der Dialog zwischen Lehrenden und Lernenden im Vordergrund. Beide Sei-ten sollten verstehen, dass Lernen eine Situation des Unerwarteten darstellt sowohl fr Studie-rende wie fr Lehrende.

Inhaltliche Beschreibung
Studierende entwickeln eigene knstlerische oder dramaturgische Projekte und realisieren sie (Re-cherchearbeit, Proben und Prsentation, Auswertung). Sie entwickeln geeignete Formate fr die Gestaltung ihrer Themen und begrnden ihre Entscheidungen. Studierende dokumentieren fortlau-fend die eigene Entwicklung whrend des Studiengangs und stellen sie zu einem Dossier zusam-men (z. B. Projektskizzen, Auffhrungsanalysen, Gedanken zu Auffhrungen, Forschungsberichte).
Das Modul wird fortlaufend whrend des gesamten Studienverlaufs Studienbestandteil sein. Es wird zunehmend in Eigenarbeit durchgefhrt und je nach Erfordernis durch Mentorengesprche oder Tutorien begleitet.


DIE ARBEITSGRUPPE
(Prof. Boris Charmatz, Dr. Franz Anton Cramer, Eva-Maria Hoerster, Prof. Gisela Mller)


Weitere Informationen und Bewerbungsunterlagen:
www.udk-berlin.de/tanz

Hochschulbergreifendes Zentrum Tanz
Einsteinufer 43-53
10587 Berlin
huz-tanz@udk-berlin.de


Der Studiengang wird vom neuen Hochschulbergreifenden Zentrum Tanz Pilotprojekt Tanzplan Berlin angeboten; Trger sind die beiden Hochschulen Universitt der Knste Berlin und Hochschule fr Schauspielkunst Ernst Busch in enger Kooperation mit TanzRaumBerlin, einem Netzwerk der professionellen Tanzszene.

Dieses Projekt findet im Rahmen von Tanzplan Deutschland statt Tanzplan Deutschland ist ein Frderprojekt der Kulturstiftung des Bundes.


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